Religion mit Kindern

Religion mit Kindern. Expertin Lena Moers, Pfarrerin im UNBOX-Team

Interview mit der Theologin Lena Moers vom UNBOX-Team über innovative Ansätz für Religion mit Kindern

Liebe Lena, Ihr von UNBOX seid jetzt seid zwei Jahren im Evangelischen Kirchenkreis Berlin Stadtmitte im Bereich „Religion mit Kindern“ aktiv. Electrobeats in der Kirche, Guerilla-Druck auf Berlins Straßen, Playing Arts mit Boxen – Ihr habt schon einige innovative Projekte für Jugendliche und Kinder umgesetzt. Welche Eurer Ideen fandet Ihr rückblickend besonders geglückt?


Wir als UNBOX-Team sehen Projekte als geglückt, die Weite schaffen, die die Phantasie anregen und die Menschen auch spirituell ansprechen. Vieles von dem ist natürlich so nicht eindeutig messbar. Wir vertrauen dabei auf die Rückmeldung von anderen Menschen und auf unsere Erfahrung. Uns hat dieses Jahr zum Beispiel unser Projekt „Electronic Church“ sehr bereichert. Ziel war es, mit der Veranstaltung zwei Welten zusammenzubringen, die sich sonst nicht so oft begegnen: Kirche und Techno.

Wir haben uns als Team bewusst aus unserer Komfortzone herausbewegt und mit Akteur*innen zusammengearbeitet, mit denen wir uns selbst erst vertraut machen mussten. Die andere Seite zu hören, kennenzulernen, selbst etwas von sich einzubringen und sich aufeinander einzuspielen – das war für uns eine sehr erweiternde Erfahrung.
Und wir haben gemerkt, dass Menschen, die die Veranstaltung besucht haben, es ebenfalls inspirierend fanden, sich aus ihrer Komfortzone herauszubewegen. Menschen aus der Techno-Szene fanden es bereichernd, in einer Kirche zu spielen und Menschen, die mit Kirche vertraut sind, hat es inspiriert mal etwas anderes in ihren vertrauten Räumen zu erleben. Das Projekt hat uns Lust gemacht, auch im nächsten Jahr wieder über unseren eigenen Tellerrand zu schauen und unsere Themen an ungewöhnlichen Orten einzuspielen.


Mit welchen Formaten und auf welchen Wegen kann man Eurer Erfahrung nach Kinder und Jugendliche heutzutage für den Glauben interessieren?


Ich antworte auf diese Frage gerne als Lena, als eine Person des UNBOX-Teams, weil Erfahrungen mit dem Glauben doch meistens sehr individuell sind. Meine persönliche Erfahrung zeigt, dass es schon wahnsinnig viel ist, wenn ich das, was ich an Glaubenserfahrungen empfangen habe, weitergebe. Mich entlastet das. Denn ich bin mit meiner Person natürlich nicht in der Lage das gesamte Christentum als Person zu transportieren – Gott sei Dank! Und trotzdem ist da ja nicht nichts. Mein Glaube, so brüchig ich ihn auch erlebe, trifft und findet mich immer wieder in meinem Leben.
Und davon erzähle ich gerne Kindern und Jugendlichen und lebe es ihnen vor. Als Person für andere Menschen erkennbar zu sein ist ein Weg, um andere dazu zu ermutigen, sich wiederum mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen.
Ein zweiter Weg, junge Menschen dem Glauben näher zu bringen ist, Räume dafür zu schaffen, die das begünstigen. Dieser Raum entsteht zum Beispiel durch meine Haltung zu anderen Menschen. Wenn ich versuche, in jedem Menschen einen göttlichen Funken zu erkennen – so schwer das auch manchmal fällt – ist schon viel Menschenmögliches getan, um einen segensreichen Raum zu eröffnen.
„Safer spaces“ kann man solche Räume auch nennen, in denen wir dafür Sorge tragen wollen, jede Art der Diskriminierung einzudämmen. So ein Raum kann Kindern und Jugendlichen eine Idee davon geben, wie sich göttliche Barmherzigkeit anfühlt. Doch alleine können wir so einen Raum nie halten. Auch wir stehen irgendwie hilflos darin und hoffen darauf, dass Gott letztlich den Raum füllt.


Welche Tipps könnt Ihr für Religion mit Kindern outside the box weitergeben?


Sich wirklich in die Perspektive eines Kindes zu versetzen, seine Perspektive auf die Welt einzunehmen – das erfordert sich sehr weit aus der eigenen Erwachsenen-Box herauszubewegen. Zum Beispiel hängen oft Angebote für Kinder in Schaukästen auf 1,50m Höhe, wo sie sie gar nicht sehen können. Wir merken selbst immer wieder als Team, wie schnell wir dabei sind, FÜR Kinder zu beantworten, was sie brauchen, anstatt sie zu fragen und uns von ihren Antworten irritieren und leiten zu lassen.
Oder auch den Mut zu haben, sich dem eigenen inneren Kind zu stellen und sich zu fragen, was es braucht. Als erwachsener Mensch Arbeit für und mit Kindern und Jugendlichen zu machen ist also eigentlich per se „outside the box“ unterwegs zu sein. Außerdem finden wir, dass eine tiefe Weisheit darin liegt, immer wieder die kindliche Perspektive auf das eigene Leben einzunehmen.
Ein Satz aus dem Matthäus-Evangelium erinnert mich immer wieder daran : „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen“ (Mt 18,3, Lutherübersetzung). Für uns heißt das: Kindlichen Bedürfnissen Raum zu geben öffnet ein Stück den Weg in den Himmel beziehungsweise bringt ein Stück Himmel auf die Erde. Was wir von Kindern immer wieder lernen ist, das Leben spielerisch anzugehen, auszuprobieren und neugierig zu bleiben. Von daher kann Kinder- und Jugendarbeit sehr viel von ihren eigenen Adressat*innen lernen.


Lena Moers ist Teil von unbox. Hier finden Sie mehr Infos über unbox.


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